Historisches, Politisches und Alltägliches gleichermaßen: Mit kurzweiligen Anekdoten unterhält Irmi Dillenbourg (im orangenen T-Shirt, Mitte) ihre Gäste bei der »Genussradel-Tour«, hier am »Pavillon Joséphine« in der Orangerie. ©Antje Ritzert

Eine Radtour für alle Sinne: Wenn Irmi Dillenbourg zum »Genussradeln nach Straßburg« lädt, erfreut das nicht nur Augen und Ohren, sondern auch den Gaumen. Unsere Mitarbeiterin Antje Ritzert hat die Kehler Gästeführerin auf einen ihrer Ausflüge in die Elsass-Metropole begleitet.

Kehl. Eines schickt Irmi Dillenbourg gleich vorweg: »Das wird keine ›Tour de France‹.« Gemütlich soll es zugehen, entspannt. Ein paar Teilnehmer nicken erleichtert. Manche haben schon zehn Kilometer und mehr hinter sich, als sie am gemeinsamen Treffpunkt ankommen. Auf eine Rennstrecke hat niemand Lust. Der bunte Haufen, der sich am Kehler Bahnhofsvorplatz mit seinen Drahteseln eingefunden hat, fällt auf: 25 »Genussradler« sind gekommen, vom Grundschul- bis zum Rentenalter sind alle Altersklassen vertreten.
»Das ist das Maximum«, sagt Isabella Schmider von der Tourist-Information Kehl, die die Tour begleitet. »Mehr können wir aus Sicherheitsgründen nicht mitnehmen.« Ein Pärchen, das noch in letzter Minute zwei der begehrten Plätze ergattern will, muss Schmider wieder nach Hause schicken. Am besten vorher anmelden, rät sie: »Die Fahrradtouren sind immer schnell ausgebucht.« Mit ihrer leuchtend gelben Warnweste stellt sich Schmider ganz hinten im Fahrradreigen auf. Es kann losgehen, sie ist das »Rücklicht« der Truppe.
Kalorien tanken
Die lange Drahtesel-Kolonne hat sich gerade in Bewegung gesetzt, da ist das erste Zwischenziel schon erreicht: Irmi Dillenbourg ruft zum Kalorientanken im »Yachthafen« auf, einem kleinen Restaurant nahe des Bahnhofs. Während die Truppe Eis und Kuchen schlemmt, gibt Dillenbourg einen ersten Überblick über das, was die Gäste erwarten wird. »Die meisten Kehler wissen gar nicht, wie gut man das Straßburger Zentrum mit dem Fahrrad erreichen kann«, sagt sie später. »Die Stadt hat wahnsinnig viel in den letzten Jahren getan. Überall gibt es neue Radwege. Der Autoverkehr konzentriert sich jetzt hauptsächlich vor der Stadt, aber nicht mehr in der Stadt.«
Bis die »Genussradler« das Straßburger Zentrum erreicht haben, ist es aber noch ein Weilchen hin. Entlang des Rhein-Rhône-Kanals, durch den Zitadellenpark und die Orangerie, vorbei am Gerichtshof für Menschenrechte, dem Europäischen Parlament, der jüdischen Synagoge bis hin zum Wilhelminischen Viertel mit dem Kaiserplatz und dem berühmten Kriegerdenkmal: Auf verschlungen Wegen führt Irmi Dillenbourg ihre Gäste zu den Sehenswürdigkeiten von Straßburg und erzählt Anekdoten aus Geschichte und Religion, aus Politik und Alltag der Stadt, die sie selbst schon vor vielen Jahren zu ihrer Wahlheimat erkoren hat.
Ab und zu zieht sie das Tempo an, dann fliegen Parks und Wasserarme, kleine Fachwerkhäuser und monströse Bauten im Sauseschritt vorbei. Bis zur nächsten Ampelkreuzung: Die Rotphasen der Straßburger Ampeln sorgen dafür, dass die Schlusslichter der Truppe regelmäßig aufholen können. »Das ist das Schöne an einer Radtour«, sagt Dillenbourg. »Zu Fuß habe ich einen sehr beschränkten Radius, in dem ich mich bewegen kann. Mit dem Bus komme ich zwar weit herum, aber nie hinein, zum Beispiel in die schönen Parks. Mit dem Rad kann man viel mehr entdecken als zu Fuß oder mit dem Bus.«
23 Kilometer
Wieder in Kehl angekommen, wartet ein kleines Picknick an der Rheinpromenade auf die Gäste: Dillenbourg hat original elsässische Spezialitäten aufgetafelt. Bei Weißwein, Käse, Baguette und Gugelhupf lassen die Teilnehmer die knapp vierstündige und 23 Kilometer lange Tour ausklingen. »Es war wirklich klasse«, sagt Gabi Reuter, die extra aus Ettlingen für Dillenbourgs »Genussradeln« angereist ist. »Irmi hat das richtig drauf«, meint Birgitt Klooster aus Kehl.
Sie hat schon mehrere Führungen mit Dillenbourg gemacht. Für ihre Bekannte Andrea Schmidt war der Nachmittag ein Einmalerlebnis: »Ich war noch nie in Straßburg«, sagt die Kehlerin. »Alleine hab ich mich nie getraut. Die Tour war wirklich toll, keine, wo man Gas gibt, sondern wo es was zum Anschauen gibt.«

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